Ein Stück kontrollierte Verrücktheit

Ein Stück kontrollierte Verrücktheit

Interview mit Tragor Falk, Teilnehmer Momentum Ost 2016. Kreativmethoden anwenden, von den Erfahrungen anderer lernen, sich gegenseitig herausfordern und mit einer Idee in zwei Minuten überzeugen: Für Falk Tragor sind dies die grössten Benefits, die er aus dem zweitägigen Workshop von Momentum OST mitnimmt. Der Head of Strategic Product Optimisation bei der IGP Pulvertechnik AG in Wil wendet die gewonnenen Erkenntnisse jetzt bei seiner Arbeit als Leiter des Kreativteams an.

Wieso hast du bei Momentum OST mitgemacht?

Falk Tragor: Ich wollte erst gar nicht. Meine Idee ist noch zu unfertig, dachte ich. Und doch reizte es mich. Zumal mich das Thema Innovation beruflich wie auch in meiner Weiterbildung beschäftigte und ich gerne mehr über Kreativmethoden lernen wollte. Also reichte ich meine Idee ein – am letzten Tag.

Um was geht es dabei?

Falk Tragor: Ich hatte die Idee für ein unternehmensübergreifendes Sponsoringkonzept, das sich auf Randsportarten fokussiert. Dabei stellen sich international tätige Unternehmen aus der Ostschweiz als potenzielle Sponsoringpartner für Ostschweizer Leistungs- und Spitzensportler aus Randsportarten zur Verfügung. Für die Unternehmen kommt dies weniger teuer, sie haben aber trotzdem einen Nutzen. Ist die Sportart im Ausland beliebt, dann ist die Sportlerin oder der Sportler ein guter Werbeträger, sofern ihre oder seine Leistung dem internationalen oder zumindest dem Niveau des Ziellandes entspricht. Und auch im eigenen Land wäre ein Imagegewinn möglich. Vor allem dann, wenn die Sportlerin, der Sportler dank der Unterstützung des Unternehmens den Durchbruch schafft.

Der Jury und dem Publikum hat deine Idee gefallen, sie haben sie neben sechs anderen ausgewählt.

Falk Tragor: Ja, das hat mich überrascht. Es war ganz schön mutig, die Idee in diesem Zustand einzureichen. Und gleichzeitig ein Vorteil. Ich habe viel von den anderen Teams gelernt, die mit ihren Ideen schon weiter waren. Ich befand mich ja immer noch mitten in der Ideenfindung und habe meine Idee erst im Workshop mithilfe der vorgestellten Methoden und den Inputs der Coaches weiterentwickelt.

Wie hast du den Workshop erlebt?

Falk Tragor: Es war ganz schön schwierig, mein abstraktes Sponsoringkonzept mit Lego Serious Play darzustellen. Ich kannte das vorher nicht. Gefallen hat mir, dass sich die Teams gegenseitig herausgefordert und angespornt haben. Das fand ich spannend. Gerade das Hinterfragen einer Idee bringt einen weiter.

Und was war die grösste Herausforderung?

Falk Tragor: Der zweiminütige Pitch, in dem wir unsere Idee präsentierten und das Publikum überzeugen mussten. «Pitch» ist bei uns in der Firma mittlerweile ein geflügeltes Wort. Wir nutzen diese Form der Präsentation jetzt immer, wenn wir ein Thema besprechen. Mittlerweile geht das auch spontan. Das war beim ersten Mal im Workshop anders. Völlig unvorbereitet mussten wir den Teilnehmern in dieser kurzen Zeit unsere Idee zusammenfassen. Weil wir daran arbeiteten, konnten wir dann der öffentlichen Präsentation zum Abschluss gelassener entgegensehen.

Was hast du aus dem Workshop für deine tägliche Arbeit mitgenommen?

Falk Tragor: Vor allem Methodenkenntnisse. Als Leiter des bereichsübergreifenden Kreativteams kann ich sie gut anwenden. Unser Ziel ist es, Ideen zu entwickeln, die zur Firma passen. Dabei geht es um die Ideenfindung aber auch um die Ideenbewertung und die Frage, welches Potenzial sie haben. Wir übernehmen hierbei eine andere Denkweise. Anstatt eine Lösung für ein Problem zu suchen, suchen wir das Ungewöhnliche. Und es geht darum, Hemmungen zu überwinden und neue Dinge auszuprobieren. Sich zu trauen, ohne vorerst zu wissen, wohin es geht.

Würdest du wieder bei Momentum OST mitmachen?

Falk Tragor: Unbedingt. Insbesondere mit einer noch unreifen Idee. Der Workshop hat sich bezahlt gemacht. Nicht nur wegen der gelernten Methoden und wegen des Erfahrungsaustausches, sondern weil er kindliches Experimentieren zulässt, ein Stück kontrollierte Verrücktheit.