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Neue GDI-Studie: «Die neuen Freiwilligen

Gemeinden fehlen die Präsidentinnen, der Feuerwehr die Helfer, den Turnvereinen die Aktuare. Klassische Freiwilligenarbeit wird immer unbeliebter. Dafür engagieren sich immer mehr Menschen kurzfristig und projektbezogen.

Die im Auftrag des Migros-Kulturprozent verfasste Studie «Die neuen Freiwilligen» geht den Ursachen und Konsequenzen dieses Wandels nach und formuliert Rahmenbedingungen für das zivilgesellschaftliche Engagement der Zukunft.

Wer sich zukünftig freiwillig engagiert, will

•           sich schnell und projektbezogen einsetzen.
•           nicht mehr nur Gratis-Arbeit leisten, sondern mitdenken und mitbestimmen.
•           Projekte hierarchiefrei verhandeln und entwickeln.

Die Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie vereinfacht den Austausch zwischen den Interessierten und hilft so Individualismus und Gemeinschaftlichkeit zu vereinen. Daraus könnte sich ein wachsender gesellschaftlicher Zusammenhalt entwickeln.

Die Studie «Die neuen Freiwilligen – Die Zukunft zivilgesellschaftlicher Partizipation» ist ab sofort in Deutsch und Französisch als kostenloser Download erhältlich: www.gdi.ch/freiwillige.



Neue Freiwillige wollen mitdenken und mitgestalten

Die klassische Freiwilligenarbeit befindet sich gemäss einer Studie auf dem Rückzug. Im Gegenzug nehmen kurzfristige und projektbezogene Engagements zu. Die neuen Freiwilligen wollen mitdenken und mitbestimmen können.

Lesen Sie dazu den Tagblattartikel vom 28. Mai 2018



Rückblick Workshop Momentum Ost

Am Samstag 21. April 2018 haben sich die Ideengeber zusammengefunden und gemeinsam in verschiedenen Kreativworkshops an der Weiterentwicklung ihrer Ideen gearbeitet.

Dabei waren die beiden Voting-Gewinner “Gestaltungsraum für Versäumnisse” von Christian Goritschnig mit über 2000 Stimmen und “Ostschweizer Impuls Cup – Zämme Schaffe” von Clara Esteve und Rhea Braunwalder. Auch mit dabei waren die Ideen “Seitenwechsel” von Franziska Ulmann, “share and rental” von Sabrina Sonderegger und Valentin Meichtry mit der Idee “Entlastung von Arbeitnehmenden bei der Betreuung von Angehörigen”.

Wir möchten uns auch nochmals herzlich bei unseren Sponsoren Raiffeisen, IGP Pulvertechnik AG, Amt für Arbeit und Wirtschaft und der FHS St.Gallen für die Ermöglichung von Momentum Ost bedanken.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden fürs Mitmachen!



Wie freiwillig arbeiten die St.Gallerinnen und St.Galler?

Daniel Jordan, Projektleiter am Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft (IQB-FHS)

Daniel Jordan, Projektleiter am Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft (IQB-FHS)

Ob in Vereinen oder gemeinnützig, freiwilliges Engagement gehört zur Schweizer Kultur. Gemäss dem aktuellen Freiwilligen-Monitor leisten im Kanton St.Gallen 27% der Bevölkerung Freiwilligenarbeit in einem Verein, 43% engagieren sich informell etwa in der Nachbarschaftshilfe oder Kinderbetreuung. Das ist leicht über dem Schweizer Durchschnitt. Trotzdem: Wie eine Studie des Instituts für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft der FHS St.Gallen (IQB-FHS) zeigt sind die Freiwilligenorganisationen heute stark gefordert. Insbesondere beim Anwerben neuer Freiwilliger, bei der Raumsuche oder wegen der Rahmenbedingungen.

Rund 3000 Vereine gibt es im Kanton St.Gallen gemäss den offiziellen Listen der Gemeinden. Ein Drittel davon sind Sportvereine, ein Drittel Kultur- und Freizeitvereine und ein Drittel engagiert sich im Sozialbereich, im Gesundheitswesen, in der Kirche, im Bereich Natur und Umwelt und weiteren Feldern. Eine beeindruckende Anzahl. «Das St.Galler Vereinsleben ist aktiv und vielfältig», sagt denn auch Daniel Jordan vom Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswissenschaft (IQB-FHS) der Fachhochschule St.Gallen. Im Auftrag der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons St.Gallen (GGK) hat das IQB-FHS in den vergangenen Jahren mehrere Studien und Workshops zur Freiwilligenarbeit im Kanton durchgeführt.

Eher ältere Freiwillige

Der Freiwilligen-Monitor 2016 stellt den St.Gallerinnen und St.Gallern in Sachen Freiwilligenarbeit ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. 27 % leisten formelle Frewilligenarbeit, engagieren sich also in einem Verein. Deutlich höher ist mit 43 % der Anteil informelle Freiwilligenarbeit. Dazu gehört beispielsweise die spontane Hilfe im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft oder die Betreuung von Kindern und die Pflege von Verwandten. «Der Kanton St. Gallen liegt im Bereich Freiwilligenarbeit leicht über dem Schweizer Durchschnitt», sagt Daniel Jordan. Am stärksten engagierten sich gemäss FHS-Studie Personen zwischen 46 und 55 Jahren, am wenigsten jene bis 25 Jahren. «Diese studieren häufig noch bzw. investieren in den Berufseinstieg und sind noch nicht sesshaft», nennt Daniel Jordan mögliche Gründe dafür.

Nachwuchswerbung als grösstes Problem

Freiwilliges Engagement ist zwar Teil unserer Kultur. Trotzdem sind die Vereine und Organisationen heute stark gefordert. Dabei ist nicht einmal das Geld das grösste Problem. «Zentral ist das Anwerben und das Halten bisheriger Freiwilliger», sagt Daniel Jordan. Viele Vereine kämpften gegen eine Überalterung. Im Moment könnten sie das noch kompensieren, in der Zukunft könnte der Nachwuchs aber fehlen. Weniger Mühe haben Sportvereine, schwieriger ist die Situation für politische Vereine oder solche, die sich traditionellem Brauchtum widmen. «Und die sozialen Vereine liegen irgendwo dazwischen», sagt Daniel Jordan. Tendenziell sei das Engagement in den Vereinen rückläufig. Das hat mehrere Ursachen:

-persönliche Gründe
-organisatorische Rahmenbedingungen
-fehlende Vereinsräume
-zunehmende Reglementierung

Bei den persönlichen Gründen ist vor allem der Faktor Zeit ausschlaggebend. Beruf oder Studium lassen immer weniger Zeit für eine aktive Vereinsmitarbeit. Eine gute Work-Life-Balance erhalte, gerade bei den Jungen, eine immer grössere Bedeutung. «Heute schauen die Leute stärker darauf, sich nicht zu übernehmen. Auch war früher der soziale bzw. äussere Druck höher, sich im Dorf zu engagieren.» Hinzu kommt der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung. «Wir haben heute unendliche viele Freizeitmöglichkeiten, die wir einfach konsumieren können», sagt Daniel Jordan. Nicht zuletzt hat die Mobilität zu-, die Verwurzelung an einem Ort gegenüber früher jedoch eher abgenommen.

Freiwilligenarbeit honorieren

Organisatorische Rahmenbedingungen wie zum Beispiel unklare Aufgabenprofile, zu umfangreiche Tätigkeiten oder eine zu geringe Wertschätzungskultur wirken sich sowohl auf das Anwerben als auch auf das Halten bisheriger Freiwilliger aus. «Deshalb ist die Bindung der Freiwilligen extrem wichtig», sagt Daniel Jordan. So könnten die Vereine diese etwa zum Essen einladen, spezielle Events für sie organisieren, Vergünstigungen bei den Mitgliederbeiträgen anbieten oder die Möglichkeit geben, Vereinsräume privat nutzen zu können.

Fehlende Infrastruktur

Zunehmend schwieriger ist es für Vereine auch, geeignete Räume zu finden. Sei es, weil sie zum Beispiel in Konkurrenz zu anderen Vereinen oder Firmenanlässen stehen. Sei es, weil die Professionalisierung zunimmt. «Die Ansprüche an die Freiwilligen steigen je nach Tätigkeitsgebiet», sagt Daniel Jordan. Gerade im Gesundheitswesen müssten sie oft ähnliche Qualifikationen vorweisen wie Angestellte. Das bedeutet: Sie müssen extra Kurse besuchen. Ähnlich ist es bei den Sportvereinen. Anstelle des Staats erlassen hier die Verbände immer mehr Richtlinien und Vorschriften. «Dies kann die Alltagsarbeit in den Vereinen erschweren», sagt Daniel Jordan.

Ideelle, soziale und persönliche Motive

Was aber motiviert uns Schweizer zur Freiwilligenarbeit? Daniel Jordan sieht drei Hauptmotive:

-ideelle
-soziale
-persönliche

Viele Freiwillige möchten helfen, etwas Gutes bewirken und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ebenfalls wichtig ist ihnen, gemeinsam mit anderen etwas aufzubauen, neue Leute kennenzulernen und in der Gemeinschaft etwas zu erleben. Nicht zuletzt spielt auch der Faktor Spass eine wichtige Rolle, die eigene Horizonterweiterung, das Sammeln von Erfahrungen oder eine «coole» Position auszuüben. «Gerade bei den Jungen stehen der Spassfaktor und der Nutzen im Vordergrund etwa für das Studium oder die berufliche Zukunft. Und sie möchten mitbestimmen, mitreden und mitgestalten», sagt Daniel Jordan. Deshalb sei es für Vereine bei der Neugewinnung Freiwilliger entscheidend, diese dort abzuholen, wo ihre Interessen lägen und sie ihre Fähigkeiten hätten. «Dann steigt die Chance, sie längerfristig zu halten.»

5,5 % des Bruttoinlandprodukts

Letztlich bringt das gesellschaftliche Engagement allen etwas. Gerade informelle Freiwilligenarbeit wäre in diesem Ausmass durch den Staat gar nicht finanzierbar. Studien gehen für das Jahr 2014 von 700 Millionen Stunden aus, das entspricht 5,5 % des Bruttoinlandprodukts und in etwa dem Aufwand für das Schweizer Bildungssystem. Neben dem finanziellen Nutzen fördert gesellschaftliches Engagement auch den inneren Zusammenhalt. «Diesen kann ein Staat nicht verordnen, das muss von der Bevölkerung selbst kommen und ist deshalb ein enorm wichtiger Beitrag», sagt Daniel Jordan.

Wie können Vereine, Kantone und Unternehmen Freiwilligenarbeit fördern?

Sowohl die Vereine als auch der Kanton oder Staat und die Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten, gesellschaftliches Engagement zu fördern.

Die Vereine können zum Beispiel:

-Freiwilligeneinsätze attraktiv gestalten
-Einsätze zeitlich befristen (gerade für Junge)
-flexibles Erledigen der Aufgaben ermöglichen
-eine Einführungs-/Probezeit anbieten (allenfalls Mentoring-System)
-Einsätze wertschätzen etwa mit Anlässen
-die öffentliche Wahrnehmung verbessern

Die Kantone können zum Beispiel:

-finanzielle Förderbeiträge sprechen
-Infrastruktur zur Verfügung stellen
-öffentliche Anerkennung bieten
-Plattformen einrichten wie zum Beispiel Benevol
-Sensibilisierungskampagnen lancieren wie «Helden des Alltags»
-umsichtig sein beim Erlass von Vorschriften

Die Unternehmen können zum Beispiel:

-Corporate-Volunteering-Einsätze ermöglichen
-Infrastruktur und Räume zur Verfügung stellen
-Arbeitszeit für Freiwilligenarbeit anrechnen

Gute Work-Life-Balance

Gemäss den Studien engagieren sich Frauen eher in sozialen, Männer in Sportvereinen. Und vor allem selber Betroffene sind eher bereit zur Freiwilligenarbeit. Beim Anwerben bringt trotz zunehmender Digitalisierung das persönliche Gespräch den grössten Erfolg. «Aktiv auf die Leute zugehen und sie direkt ansprechen», sagt Daniel Jordan.



Gesellschaftliches Engagement zahlt sich aus

Wer mit dem Wettbewerb Schritt halten will, kommt nicht umhin, Verantwortung zu übernehmen. Umweltbewusstsein und Gemeinwohl sorgen bei Unternehmen sogar für ökonomische Stärke, belegt eine Studie. Aus frischen, gesunden Lebensmitteln leckere Gerichte so zubereiten, wie sie in den Ländern entlang des achten Längengrades gegessen werden: Für das Projekt “Kochschule für Kinder” wurde die Tiefkühlmarke Frosta 2017 mit dem Preis für engagierte Unternehmen “Mein gutes Beispiel” der Bertelsmann-Stiftung ausgezeichnet. Eine Shampooflasche aus Strandplastik verbindet, wie Procter&Gamble im Citizenship Report 2017 erklärt, innovatives gesellschaftliches Engagement mit operativem Wachstum. Und GoHelp ist die strategische Partnerschaft zwischen DHL und den vereinten Nationen in Phasen des Katastrophenmanagements, der Prävention und Katastrophenhilfe.

Die drei Beispiele stehen stellvertretend für die wachsende Bereitschaft von Unternehmen, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen. Dafür werden sie von der Gesellschaft mit Vertrauen und einer guten Reputation belohnt. Gemeinwohl wirkt aber auch auf die Unternehmensentwicklung und ist der Schlüssel zu wirtschaftlichen Erfolgen, wie die Studie “Total Societal Impact: A New Lense for Strategy” der Boston Consulting Group (BCG) beweist.

Lesen Sie den gesamten Artikel



Jetzt abstimmen: 14 Ideen für gesellschaftliches Engagement

Ein Gestaltungsraum für Versäumnisse, eine Awareness-Kampagne für den Wert geleisteter Betreuung durch Grosseltern oder eine firmeneigene Plattform, auf der Eltern Kleider und Sportausrüstungen für ihre Kinder teilen oder verleihen können. 14 Ideen sind auf Momentum Ost zum Thema gesellschaftliches Engagement eingegangen. Welche davon gefällt Ihnen am besten? Stimmen Sie jetzt ab.

«Ach, hätte ich doch…» Sicher dachten Sie das auch schon mal. Hätten Sie gerne einen anderen Beruf gelernt? Hatten Sie einmal etwas ganz anderes vor in Ihrem Leben? Oder sind Sie nie Ihrer inneren Leidenschaft nachgegangen? Je älter wir werden, desto deutlicher wird uns vielleicht bewusst, was wir im Leben versäumt haben. Ein Gestaltungsraum für Versäumnisse soll deshalb Menschen die Möglichkeit geben, das Versäumte nachzuholen und so Sinnvolles zu leisten, bis ins hohe Alter agil zu bleiben und mit sich selber Frieden zu schliessen. Dies ist eine der 14 Ideen zum Thema gesellschaftliches Engagement, die Ideengeberinnen und Ideengeber aus der ganzen Ostschweiz bei Momentum OST bis zum Stichtag 15. Januar eingereicht haben.

Betreuungsarbeit in Zahlen und Franken

Eine andere Idee möchte den Wert der Betreuungsarbeit sichtbar machen, die Grosseltern alljährlich leisten. Ziel ist es, den volkswirtschaftlichen Nutzen in Zahlen und Franken aufzuzeigen. Die Ideengeberin ist selbst Grossmutter, die ihre Enkelkinder hütet. Sie wünscht sich deshalb aktuelle und konkrete Zahlen für den Kanton.

Kinder kosten. Sie entwachsen ständig ihren Kleidern und probieren gerne neue Sportarten aus, wofür sie natürlich die entsprechende Ausrüstung brauchen, die ihnen dann bald wieder zu klein wird. Wieso also nicht eine firmeneigene Plattform einrichten, auf der Mitarbeitende Kleider, Ausrüstungen und anderes teilen, weitergeben oder verleihen können?

Seitenwechsel im Job, eine App, auf der Industrieabfälle für eine zweite Verwendung angeboten werden, geheime Wünsche erfüllen oder Arbeitnehmende bei der Betreuung von Angehörigen entlasten – vielfältiger könnten die Ideen gar nicht sein. Jetzt sind wir gespannt, wie unsere vierköpfige Jury mit Gabriela Manser, Savvas Legidis, Peter Künzle und Natalie Brägger die Ideen bewerten.

Und welche Idee holt den Publikumspreis? Hier zählt Ihre Stimme. Liken Sie die Ideen, die Ihnen am besten gefallen. Die Abstimmung läuft bis am 9. Februar. Hier geht es zu den Ideen.